Protest und Widerstand, durchaus keine Fremdwörter für die Stadt München, dennoch scheint es hier gewisse Eigenheiten zu geben. Während das Gesetz zum Schutz der Gesundheit die Gemüter sogar so weit erhitzt hat, dass die CSU bei den Landtagswahlen eine Schlappe hinnehmen musste und das Gesetz daraufhin entschärft hat, vermochte es die Einführung von Studiengebühren nicht einmal, den Großteil der Münchner Studenten auf zu rütteln.
Dabei haben auch Münchner Studenten in der Vergangenheit durch Ihren Protest Aufmerksamkeit erregt. Bekanntestes Beispiel dürften die Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst sein, die am 22. Februar 1943, nur vier Tage nachdem die Geschwister Scholl versucht hatten, Flugblätter in der Universität München auszulegen, hingerichtet wurden. Nicht nur der Platz vor der Universität trägt heute zum Gedenken den Namen der Geschwister Scholl, auch eine Denkstätte erinnert im Universitätsgebäude an die Widerstandsbewegung “Weiße Rose”.
In den letzten Jahren sind die Münchner Studenten dagegen eher durch Passivität aufgefallen. Die Einführung von Studiengebühren, für viele eine große finanzielle Belastung, vermochte es nicht, die Studenten der Münchner Universitäten auf die Barrikaden zu bringen. Ähnlich erging es dem Streik der Lehrbeauftragten des Instituts für Ethnologie und Afrikanistik. Zwar war Unterstützung von Seiten der Studierenden vorhanden, die große Masse konnte jedoch nicht aufgerüttelt werden.
Die Münchner Ortsgruppe des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung konnte dagegen im November 2007 einen Erfolg verbuchen. Bei den deutschlandweit statt findenden Demonstrationen gegen die Einführung der Vorratsdatenspeicherung gelang es den Münchnern, die meisten Menschen zu mobilisieren.
Jedoch scheint nichts so sehr die Gemüter zu beschäftigen wie die Einführung des Gesetzes zum Schutz der Gesundheit. Es grenzt schon fast an Lächerlichkeit, wie sich die bayerischen Wirte gegen dieses Gesetz wehren und jedes Schlupfloch nutzen, um ihren Gästen die Qualmerei doch ermöglichen zu können. Dabei hat sich in mehreren europäischen Ländern gezeigt, dass das Rauchverbot die Gastronomie keineswegs in den Ruin treibt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Londoner Pubs wie eh und je überfüllt sind, während sich vor den Türen das so genannte “smirting” etabliert hat. Denn die vor der Tür stehenden Raucher kommen leichter ins Gespräch, was nicht verwundert wenn man bedenkt, dass Zigarette oder Feuer schon seit langem beliebte Flirt-Methoden sind. Ähnliches hat sich auch schon in Deutschland gezeigt. Eine Freundin, deren Eltern ein Hotel im bayerischen Wald unterhalten, erzählte mir, dass ihre Gäste viel besser miteinander ins Gespräch kommen, seit dem sie sich zum Rauchen vor der Tür treffen. Geteiltes Leid ist halt doch halbes Leid.
Mitgewirkt haben diesmal Falko Zemmrich, dessen Artikel eine theoretische Einführung in das Thema Protest und Widerstand bildet. Miriam Trescher hat sich mit den Protesten gegen die Einführung von Studiengebühren auseinander gesetzt und versucht, Gründe für die mangelnde Beteiligung der Münchner Studenten zu finden. Andrea Friedrich interviewte Klaus Müller vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und Julia Tietjens setzt sich in ihrem Artikel mit dem Erfindungsreichtum der Münchner Wirte im Kampf gegen rauchfreie Wirtschaften auseinander. Besonderer Dank geht an Magnus Treiber, der uns mit einem Rückblick auf den Streik der Lehrbeauftragten des Instituts für Ethnologie und Afrikanistik der LMU München unterstützte.
Ergänzt wird NiM durch zwei Artikel, die ausschließlich online veröffentlicht werden. Dies ist zum einen ein Artikel von Wolfgang Sassmann über Oskar Maria Graf und die Münchner Räterepublik und zum anderen ein weiterführender Artikel bezüglich der Vergütung von Lehrbeauftragten von Ulrich Oberdiek.


Juni 12th, 2010 at 7:31 am
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Dezember 20th, 2011 at 2:28 am
3 ice