Seminarankündigung: „Musik, Identität und Macht”

Text: AK Musikethnologie

An dieser Stelle sei auf ein einwöchiges musikwissenschaftliches Seminar im Sommersemester 2008 zum Thema „Musik, Identität und Macht“ hingewiesen. Ethnologen sind ausdrücklich erwünscht.

Erfreulicherweise werden Herr Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker vom Institut für Musikwissenschaft der LMU und Herr Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel vom humanethologischen Zentrum der Max-Planck Gesellschaft in Andechs im Sommersemester 2008 mit einem weiteren Seminar in die dritte gemeinsame Runde gehen. Nach „The Evolution of Musical Behaviour“ im März 2006 und „Music and Ritual – Music as Ritual“ im April diesen Jahres, wurde das Thema für kommendes Jahr auf den vielversprechenden Titel „Musik, Identität und Macht“ festgelegt. So wie bisher wird auch dieses Seminar als einwöchige Blockveranstaltung an der Venice International University auf der Insel San Servolo, Italien, stattfinden.
Wer beim Stichwort „Musikwissenschaft“ glaubt, dass das Beherrschen der Notenschrift Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist, der irrt; musiktheoretische Kenntnisse sind zwar zweifelsfrei von Vorteil, aber nicht obligatorisch. Vielmehr wird den Seminarteilnehmern die Bereitschaft abverlangt, sich mit Theorien anderer Disziplinen auseinander zu setzen. So beschäftigten wir uns in diesem Jahr mit Texten von u. a. dem Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt, den Musikethnologen Artur Simon und Gerhard Kubik sowie dem unter Ethnologen bestens bekannten Vertreter der Disziplin Victor Turner. Darüber hinaus erfuhren wir von Herrn Dr. Christian Lehmann anhand von Gesangsduellen mehr über mögliche Formen der Ritualisierung von Sprache, wir ereiferten uns in Diskussionen über Konzertbesucher von Tokio Hotel, analysierten Videoaufnahmen von Heilriten der Kalahari !Kung und Rituale in Hollywood-Filmen wie „O brother, where art thou?“ und „Eyes wide shut“. Mein persönliches Fazit: Ich war und bin erstaunt darüber, dass Methoden und Artikel, für die ich ohne Zögern die Hand ins Feuer gelegt hätte, aus anderer Perspektive betrachtet erhebliche Schwachstellen aufweisen. Und Elemente, die ich großzügig aus meinem Betrachtungshorizont ausgeklammert hatte, beweisen plötzlich eine erschreckend durchdringende Präsenz. Einmal mehr bestätigte sich somit der Verdacht, dass Erkenntnisse einzelner Disziplinen letztlich doch nur ein kleiner Teil vom schönen großen Ganzen sind.

Zur Venice International University

Die VIU bietet auf der Insel San Servolo für die Zeit des Aufenthalts Unterkunftsmöglichkeiten in wahlweise Einzel-, Zweier-, Dreier- oder Viererzimmern. Auch die Seminarräume befinden sich auf der Insel, genauso wie eine Cafeteria (Näheres zur VIU unter www.univiu.org). Weil das Seminar im Rahmen des Lehrangebots der VIU angeboten wird, muss die Veranstaltung in englischer Sprache gehalten werden, falls internationale Studenten dem Seminar beiwohnen möchten. In den letzten beiden Jahren war dies jedoch nicht der Fall und wenn Deutsch von allen Teilnehmern ausreichend verstanden wird, ist die Unterrichtssprache Deutsch. Nicht-Muttersprachlern steht es aber auch dann frei, Referate in englischer Sprache vorzutragen.
Das unbedingt erwünschte hohe Maß an Interdisziplinarität der Veranstaltung wächst mit den Interessen und Studienfächern der Seminarteilnehmer. Im Namen der „San Servolesen 2007“ darf ich deshalb hiermit eine herzliche Einladung an all diejenigen aussprechen, die sich für das Thema „Musik, Identität und Macht“ interessieren und sich nicht vor wissenschaftlichen Abstechern in Disziplinen wie Musikwissenschaft, Medizin, oder Verhaltensforschung scheuen. Verbindliche Auskünfte den genauen Termin und das Programm der Veranstaltung betreffend werden bereits im Wintersemester 2007 per Aushang am schwarzen Brett des Instituts für Ethnologie bekannt gegeben.

One Response to “Musik, Identität und Macht”

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