„Integration“ — ein irgendwie sperriges Thema

Kann man nicht einfach einen Punkt machen, anstatt hier schon wieder lang und breit zu diskutieren? Integration ist doch die normalste Sache der Welt! Hat es das in der Weltgeschichte nicht schon immer gegeben?

Naja, vielleicht ist das „Zusammenwurschteln“ von Sicherheits- und Ausländerpolitik, womit sich seit „Nine Eleven“ die Muslime herumschlagen müssen, noch nicht in den Mülleimer der Geschichte abgewandert. Auch das Konzept, mit dem die Stadt München in Zukunft Migranten integrieren will, gehört nicht zum alten Eisen. Neu ist vielleicht auch, dass seit dem Jahr 2005 das Thema Integration auf dem politischen Plan steht. Doch die Gefühle wie, Abneigung, Angst, Wut und Argwohn gegen alles was fremd ist, sind Emotionen, die gerade vor dem Hintergrund dieser „Neuigkeiten“ wieder brandaktuell sind. Was heute viele Politiker scheinbar noch immer nicht kapiert haben, ist, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen „Integration“ und „Assimilation“ gibt und dass sich viele Migranten einfach nicht so gerne zurechtschnipseln lassen, um in ein verstaubtes Konzept einer deutschen Leitkultur zu passen.

Wer von der Aktualität dieses Themas noch immer nicht überzeugt ist, soll sich doch gerne einmal die Abschiedsrede Stoibers auf dem letzten CSU-Parteitag [1] zu Gemüte führen und sich vollends überzeugen lassen, daß es scheinbar bei Integration hauptsächlich darauf ankommt, dass Kathedralen größer als Moscheen sind. Ob nun die aktuelle Sicherheitspolitik, die Unterschriftensammlungen gegen Moscheeneubauten oder der derzeitig beobachtbare „Meinungsfastfood“, der sich auf der Medienlandschaft in dick pauschalisierenden Headliners zeigt, dem Gefühl, willkommen zu sein, dient, kann man wohl bezweifeln. Ja, „Integration beginnt im Kopf“, wie es wie im Slogan der Caritas 2006 so schön heißt – doch sie endet im Bauch! Erst wenn man das Gefühl hat, da zu sein, ein Teil vom Ganzen und willkommen zu sein, kann man sich als erfolgreich integriert betrachten. Aber genau dieses Gefühl scheint es zu sein, welches man in den hitzigen Debatten um eine „deutsche Leitkultur“, um „islamistische Terroristen“ oder um „fanatische Kopftuchträgerinnen“, immer wieder vergisst.

Ihr werdet in dieser Ausgabe einen kleinen Einblick darüber bekommen, wie fleißig Medien und Politik im Aufheizen gewisser Alltagsressentiments sind, um das ohnehin schon so brüchige Gebilde der Integration emotional zu sprengen. Wir wollen euch aber auch das Integrationskonzept der Landeshauptstadt München nicht vorenthalten und zeigen, auf was unsere Stadt wert legt und wie sich das im Alltag zeigt. Last not least, kommt auch ein Vertreter der in München lebenden Menschen mit Migrationshintergrund zu Wort. All das gibt’s mal wieder im Kombipack von „Normal“ in München.

Mit dabei waren diesmal Zuzana Butorova, Alexander Grunert, Tanja Kubes und Falko Zemmrich.

[1] http://www.csu.de/csu-portal/csude/uploadedfiles/Reden/060902_grundsatzrede.pdf

One Response to “„Normal“ in München!”

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